1. Was ist Rezeptur-Versionierung?
Rezeptur-Versionierung bedeutet: Jede Rezeptur existiert in einer eindeutigen Version (v1.0, v1.1, v2.0). Änderungen erzeugen eine neue Version, frühere Versionen bleiben lesbar und rollback-bar. Das ist der gleiche Grundgedanke wie Git in der Softwareentwicklung — nur für Rezepturen.
2. Praliné-Beispiel: Master + 5 Varianten
Master „Felchlin-Maracaibo-Praliné v3.2" plus Varianten:
- Variante mit Whisky-Ganache
- Variante ohne Alkohol
- Variante vegan (Kokos-Ganache)
- Variante glutenfrei (Mandel-Krokant statt Keks)
- Variante nuss-frei (Karamell-Tropfen)
Jede Variante erbt Allergen-Hauptgruppen und Wareneinsatz vom Master — bei Couvertueren-Wechsel reicht eine Änderung am Master, alle 5 Varianten ziehen nach.
3. Audit-Log und Rollback bei Misserfolg
Eine fehlgeschlagene Sondercharge (z. B. zu wenig Conching-Zeit) wird in 30 Sekunden auf die Vorgängerversion zurückgesetzt. Im Audit-Log steht: Wer, wann, was geändert — und welche Charge betroffen war.
4. Personalwechsel ohne Wissensverlust
Wechselt der Konditormeister oder ein Gesellen-Posten, bleiben alle Rezepturen, Versionsstände und Anmerkungen erhalten. „Tribal Knowledge" — das Wissen, das nur in einem Kopf steckt — wird in dokumentierte Versionsschritte überführt.
5. Excel-Fallen
Parallele Workbooks („Pralinen_2024_final_final_2.xlsx"), Rundungsfehler in 0,1-g-Mengen, kopierte Sheets ohne Master- Reference: Die typische Excel-Karriere endet im Daten-Chaos. Wer einmal pro Quartal alle Sheets konsolidiert, verliert durchschnittlich 4–6 h pro Quartal.
6. Vererbungs-Logik in PatissierPilot
In PatissierPilot ist die Master-Rezeptur die Single-Source-of-Truth. Varianten erben Zutaten, Allergene und Wareneinsatz — alle Änderungen am Master fließen automatisch in alle Varianten. Versionsstand, Audit-Log und Rollback sind integriert.